Dojozeiten

Die Dojozeiten sind Übergangszeiten zwischen den Jahreszeiten und spielen in unserem zentraleuropäischen Klima eine wichtige Rolle für den Erhalt der Gesundheit. Wir können diese Zeiten des Übergangs nutzen, um innezuhalten, um unsere  Mitte zu stärken und den Körper auf die kommenden klimatischen Gegegebenheiten einzustellen und damit den krankmachenden Einflüssen der einzelnen Jahreszeiten vorzubeugen.

Die Jahreszeiten im Dojokalender beginnen 36 Tage vor den Startzeiten laut westlicher Ansicht (Wintersonnwende, Sommersonnwende, Tagundnachtgleichen) und enden 36 Tage danach. Zwischen den so berechneten Jahreszeiten liegen die durchschnittlich 18 Tage dauernden Übergangszeiten, die sogenannten Dojozeiten. Dabei handelt es sich jedoch um keine astronomisch genaue Berechnung und die Jahreszeiten entsprechen auch nicht dem meteorologischen Kalender. Der Dojokalender folgt dem Rhythmus der Natur.

 

Für 2019 können folgende Tage als Dojozeiten angenommen werden:

Übergang von Winter auf Frühling: 26.1. - 12.2.

Übergang von Frühling auf Sommer: 27.4. - 15.5.

Übergang von Sommer auf Herbst: 28.7. - 15.8.

Übergang von Herbst auf Winter: 28.10. - 14.11.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist jede Jahreszeit einem Element (Holz, Feuer, Metall, Wasser) zugeordnet. Die Erde ist unsere Mitte und verbindet die vier Jahreszeiten bzw. Elemente miteinander, harmonisiert die Abläufe und balanciert Ungleichgewichte aus. Dojozeiten sind dem Element Erde und damit unserer Mitte zugeordnet. Und da die Verdauungsorgane Magen, Milz und Bauchspeicheldrüse ebenfalls zum Element Erde gehören, sind die Dojozeiten besonders gut geeignet, um unsere Mitte zu stärken, sanft zu entschlacken und zu entgiften. Um unseren Organismus in dieser Zeit auf die kommende Jahreszeit vorzubereiten und durch Nahrungsaufnahme möglichst wenig zu belasten, sollte die Ernährung  einfach und aus wenigen Zutaten zusammengestellt sein. Die sonst für die Verdauung benötigte Energie steht damit allen anderen Organen und Körperfunktionen zur Verfügung und der Körper kann Schwächen ausgleichen und sein inneres Gleichgewicht wieder herstellen.

Entlasten statt fasten

In der TCM werden radikale Diäten und strenge Fastenkuren nicht empfohlen. Besonders Menschen mit körperlicher Schwäche, chronischen Erkrankungen oder während der Schwangerschaft und Stillzeit, aber auch Menschen, die unter schwerer seelischer Belastung und Depressionen leiden, sollten ganz darauf verzichten. Fasten bedeutet sehr viel Stress für den Körper und wenn wir unserem Organismus für längere Zeit nichts oder sehr wenig zuführen, muss er auf unsere Reserven zurückgreifen. Damit sind nicht nur die Fettpolster, die man gerne loswerden möchte, sondern auch immer ein Teil der kostbaren vorgeburtlichen Energie, unsere Essenz, gemeint. Statt zu fasten empfiehlt die TCM den Körper durch Schonkost zu entlasten.

Unsere Mitte mag es warm und freut sich über wärmende und gekochte Lebensmittel. In den Dojozeiten wird Schonkost durch allgemeine Reduktion und Vereinfachung der Nahrungsmittel sowie die erhöhte Einnahme von milden Kräutertees oder heißem Wasser empfohlen. Es ist auch günstig, in dieser Zeit einige Tage lang nur Getreide zu essen, eventuell abgerundet durch ein wenig gedünstetes Gemüse oder Obst. Ganz verzichten sollte man dabei auf Genussmittel wie Alkohol, Kaffee und Süßspeisen. Milchprodukte, alle kalten Getränke, tierisches Eiweiß, Südfrüchte, Weissmehlprodukte und rohe Salate sind zu vermeiden.

Buchempfehlung: Mehr Information über die Ernährung im Einklang mit den Jahreszeiten und besonders in den Dojozeiten, sowie viele einfach-originelle Rezepte gibt es in dem Buch "Kraftzeiten nach der chinesischen Heilkunde" von Karola Bettina Schneider.

Der Weg zur inneren Ruhe

Das japanische Wort dojo bedeutet übersetzt, der Ort, an dem der Weg geübt wird (do - der Weg, jo - der Ort). Ursprünglich kommt der Begriff aus dem Buddhismus und bezeichnete einen Ort der Selbstfindung und Meditation. Später veränderte er seine Bedeutung und man verstand darunter einen Ort, an dem Kampfkünste geübt werden. So ist das dojo auch heute noch ein Ort der inneren Ruhe und Sammlung,  der Konzentration und des gegenseitigen Respektes. Lautes und aufdringliches Verhalten sollte deshalb tunlichst vermieden werden. Das dojo ist möglichst geräumig, einfach gestaltet und stets makellos sauber zu halten.

Da unsere Mitte nicht nur für die Verwertung unserer Nahrung sondern auch unserer Gefühle und Gedanken zuständig ist, sind die dem Erdelement zugeordneten Dojozeiten auch dafür da, um uns zu sammeln und zu unserer inneren Ruhe zu kommen. Wir könnten uns auch fragen: Was bringt mich aus meiner Mitte? Wann habe ich mich das letzte Mal so richtig um mich selbst gekümmert? Wie wichtig nehme ich mich selbst? Wie gut sorge ich für mich?  Was brauche ich und was tut mir gut?

In diesem Sinne wünsche ich uns, dass wir die Dojozeiten nutzen, um einen Moment innezuhalten, unsere Mitte zu stärken und um uns Zeit für uns selbst zu nehmen. So können wir kraftvoll und gesund von einer Jahreszeit in die nächste wandeln.

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.

- chinesisches sprichwort -